Erfahrungsbericht - Fünf Tage Lappland und zurück Drucken E-Mail

Erfahrungsbericht LapplandWo fängt man an, eine Reise zu beschreiben, die sich gar nicht beschreiben lassen will? Die noch viel mehr von den Bildern, als von den Worten lebt. Was ist eine Husky-Safari, was macht sie aus? Irgendwie wehrt sie sich beständig, diese Tour die ich in den vergangenen fünf  Tagen erlebt habe, sich den Bildern zuzuordnen, die man sonst so im Vorfeld mit sich herumträgt. Wenn, dann erinnert diese Reise an einen verwunschenen Traum. Fast schon zu sehr - aber auf angenehme Weise.

Nun ist es Sonntagabend und wir stehen mit kalten Füssen an der Rezeption in Harriniva. Nein, die finnische Kälte ist noch nicht durch die Ritzen gezogen, sondern wir warten ein wenig aufgeregt auf unseren Guide für unsere bevorstehende Husky-Safari. Wir? Das sind Dorit, Bärbel, Markus, Konstantin und ich. Wir haben uns gerade erst kennengelernt, doch schnell beginnt man sich nach den ersten Floskeln freundschaftlich aneinander zu gewöhnen. Pünktlich 19:30 Uhr kommt dann Esa. Er begrüßt uns, stellt sich kurz vor. Familie, 37 Jahre alt. Das mag man seinem wettergegerbten Gesicht kaum glauben, aber ich denke, das war es, wieso wir Ihn alle von Beginn als sehr herzlich empfunden haben. Er erzählt von den bevorstehenden Tagen, von den freundlichen Huskies, gibt uns Tipps für die richtige Kleiderwahl, fragt nach Vegetariern sowie Allergien und Krankheiten. Anschließend gehen wir noch in den Ausrüstungsraum. Thermohose, -jacke und -schuhe, Sturmhaube, Fellmütze, zwei Paar Handschuhe, Schlafsack, Stirnlampe. Alles muss optimal passen, denn mit der Kälte hier in Lappland ist nicht zu spaßen erklärt uns Esa und wir glauben Ihm gern (draußen sind es -29°C). Für Alles haben wir genügend Zeit und bis Dorit sich dann doch für vier Paar Socken entschieden hat, sind auch die letzten Fragen geklärt. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen um zehn Uhr an der Rezeption und gehen alle mit einem guten Gefühl schlafen.

Montag
Heute nach dem Frühstück soll es nun losgehen. Wir stehen mit gepackten Taschen bereit, als Esa uns mit einem gutgelaunten „Terve, terve!“ begrüßt. Unsere nicht benötigten Sachen werden im Hotel verschlossen, bzw. im Safe aufbewahrt. Mit der verbliebenen Ausrüstung und warm eingepackt machen wir uns auf den Weg zum „Kennel.“ Schon von weitem kann man die Rufe der Huskies wahrnehmen. Diese geradezu verspielten Tiere können es kaum abwarten, dass wir aufbrechen. Doch zuvor erklärt uns Esa den richtigen Umgang mit den Hunden, die Fahrtechnik und alle Handzeichen für eventuelle Hinweise und besondere Situationen. „Gewicht nach links verlagern bei einer Linkskurve, erhobene Hand ist Stoppzeichen und bergab immer bremsen“ ja das klingt logisch und ist leicht zu merken. Schnell haben wir das Gefühl alle wichtigen Dinge zu wissen und so sehnen wir umso mehr dem Start entgegen. Unsere Schlitten stehen schon bereit und die Huskies warten darauf das wir Sie mir dem Geschirre davor spannen. Ruhig sitzen Sie da und lassen so manchen ersten etwas holprigen Handgriff friedlich über sich ergehen. Bei dieser Gelegenheit lernen wir auch gleich die Namen unserer Hunde kennen. Sie stehen direkt auf dem Halsband und jeder ist für sein Gespann die nächsten Tage verantwortlich. Eine Viertelstunde später sind alle fertig und Esa gibt das Zeichen zum losfahren.

So starten wir also, bei schönstem Wetter, zu unserem Abenteuer und es dauert nicht lange bis man sich über die Kraft dieser Tiere wundert. Sie leisten Unglaubliches wenn es durch den Tiefschnee, oder einen Hügel hinaufgeht. Gleichmäßig klingt das gleiten der Kufen durch den Schnee und das hecheln der Hunde und schon nach wenigen Kilometern werden die Zeichen der Zivilisation immer rarer. Es beginnen die Momente die man bei einem Leben in der Stadt so schmerzlich vermisst, ohne sich darüber bewusst zu sein. Man genießt die scheinbar unendlich weite dieser Landschaft und wundert sich über den Himmel, der sich in allen Richtungen in andere Farben kleidet. Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichen wir unseren Mittagsrastplatz. Schnell ist ein wärmendes Feuer gemacht und Esa versorgt uns mit Würstchen die wir über dem Feuer grillen. Thermoskannen mit Tee und Kaffee kreisen und Kekse werden genascht.

Überschwänglich erzählen alle von Ihren ersten Eindrücken und sind ausnahmslos begeistert. Konstantin berichtet sogar ein Rentier und Schneehühner gesehen zu haben, bevor wir wieder aufbrechen und gegen fünfzehn Uhr unsere Hütte „Matinkämppa“ erreichen. Die Hunde werden vom Schlitten abgespannt und an eine bereitliegende lange Leine gekettet. Esa erzählt kurz was zu tun ist und so gehen Dorit und ich mit Wassereimern und Eislochstampfer bewaffnet auf den See und holen Wasser. Markus und Esa machen Feuer in der Sauna und in der Hütte und Bärbel und Konstantin bereiten das Futter und Trinken für die Hunde vor. Da das Wasser für die Hunde erst in einem großen Kessel angewärmt werden muss, sitzen wir nach nicht einmal einer halben Stunde in der Hütte bei Kaffee und Kuchen. Esa zeigt uns auf der Karte die zurückgelegte Strecke und resümiert nochmal ein wenig den Tag. Dann geht es raus die Hunde tränken und etwa zwei Stunden später noch einmal zum Füttern. Um 18:30 sitzen wir dann in der Sauna und keiner kann es abwarten, sich das erste Mal nach einem Saunagang in den Schnee zu werfen. Vielleicht wollte sich aber auch niemand die Blöße geben nicht in das Eisloch im See zu springen. Nachdem wir uns alle noch gewaschen haben, geht es in die Hütte wo wir schon im Eingang den Duft von frischem Fisch in der Nase haben. Esa steht am Herd und kocht für uns. Es gibt Saibling, Mischgemüse und Kartoffeln. Im Kamin lodert Feuer und alle bleiben noch bis Elf auf und lauschen den knisternden Flammen ehe wir uns schlafen legen.

Dienstag
08:00 Uhr. Aufstehen und Frühstücken. Über Nacht ist es kälter geworden und so begrüßt uns der heutige Morgen mit -25°C. Vor unserer Abfahrt heißt es jedoch noch die Hunde zu tränken, Hütte aufräumen und Holz für die nächste Gruppe bereitzulegen. Gegen zehn Uhr sind alle Arbeiten erledigt und die Hunde stehen vor den Schlitten. Vor uns liegen 35 Kilometer, die uns westlich am ältesten Nationalpark Finnlands „Pallas Oulas“ in Richtung Norden führen. Davon alleine sieben Kilometer über die zugefrorenen Seen „Vuotisjärvi“ und „Sieppisjärvi.“ Ich kann mich erinnern mal eine Werbeschlagzeile für Husky-Safaris gelesen zu haben, die in etwa so lautete: „In der Stille der Natur gewinnt so manches wieder den richtigen Stellenwert, vieles erhält eine andere Dimension - Eine spirituelle Erfahrung!" Doch so kitschig es klingen mag, genau dieses Gefühl beseelt uns von Tag zu Tag aufs Neue. Während unserer Pause zieht ein Schneemobil an uns vorbei und durchbricht die Stille der Natur. In allen Gesichtern sind die gleichen Gedanken zu lesen: „Den Lärm und den Gestank der Zivilisation vermissen wir am allerwenigsten.“ Am späten Nachmittag treffen wir an unserer Hütte für die heutige Nacht ein. Wunderschön gelegen an einem Bach, offenbart sich vor uns ein gewaltiger Blick auf den Nationalpark den wir morgen durchqueren werden. Vom Vortag kennt noch jeder alle zu erledigenden Arbeiten und so macht sich jeder ohne große Absprachen ans Werk. Wieder sitzen wir gegen 18:00 Uhr in der Sauna und lassen es uns gut gehen. Markus bemerkt, dass seine Hunde heute noch besser gelaufen sind als gestern und begründet es damit, dass er sie jetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit streichelt. Wir werden sehen, ob das so funktioniert.

Mittwoch
Wir haben in den letzten Tagen schon so viel gesehen, aber es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Bei unserer Einfahrt in den Nationalpark, fallen mir als erstes diese zerbrechlich wie Glas wirkenden Bäume auf. Unwirklich stehen sie da und die Farbübergänge des Himmels im Hintergrund komplettieren die Faszination der man hier immer wieder unterliegt. Während unserer Pause genießen wir heiße, cremige Trinkschokolade und es herrscht vorweihnachtliche Stimmung. Die Wochentage geraten in Vergessenheit und heute haben wir alle das Glück die scheuen Schneehühner zu sehen. Sie passen sich perfekt den Jahreszeiten an und werfen ihr dunkles Federkleid im Winter ab und sind erst zu erkennen wenn man sie bereits aufgescheucht hat. Am Abend herrscht bei Kerzenlicht gefräßige Stille. Es gibt Rentiergulasch mit Stampfkartoffeln und Preiselbeeren. Zum Nachtisch Lapin Leipäjuusto – eine lappländische Käsespezialität. An gutem und reichlichem Essen soll es in dieser Woche wirklich nicht mangeln. Unsere Hütte „Sankko-oja“ was soviel heißt wie „Otterbach“ liegt inmitten des Nationalparks und während wir uns für die Nacht vorbereiten, haben einige von uns das Glück ein Nordlicht zu bewundern. Blitzschnell zieht es über den gesamten Nachthimmel und wechselt mehrfach seine Farbe in den verschiedensten Grüntönen.

Donnerstag
Unser vorletzter Tag beginnt gleich beim Losfahren gegen Halbelf mit einem ungewollten Schlittenstart Dorits. Die Hunde spüren, dass es wieder Richtung Süden geht und sind umso motivierter. Als sie an mir vorbeikommen fange ich sie ein und Dorit kommt schon ganz aufgeregt hinterhergerannt. Wir verlassen wieder den Nationalpark und es geht einige Ab- und Auffahrten entlang durch zugefrorene Moore und die wunderschöne Fjäll-Landschaft Lapplands. Der Anspruch der Strecken hat sich im Laufe der Woche gesteigert und so macht es jeden Tag auf neue Freude, nicht nur die Landschaft zu genießen, sondern auch immer sicherer den Hundeschlitten zu beherrschen. Unser Ziel heute heißt die Hütte Juutilainen, in der gleichnamigen Region Juutilainenmaa, direkt an einem See gelegen. Es ist leider bereits der letzte Abend unserer Reise fernab der Zivilisation. Für diesen Tag hat Esa nochmal etwas ganz besonderes vorbereitet. Mit kleinen Holzpflöcken befestigt er zwei große Lachse auf einem Birkenholzbrett und stellt dieses vor den heißen Kamin und nach einer Stunde genießen wir alle, den wohl zartesten Lachs den wir je gegessen haben. In geselliger Runde sitzen wir noch bis tief in der Nacht im T-Shirt vor dem Kamin.

Freitag
Nun heißt es also fast Abschied nehmen von Lappland. Ein letztes Mal spannen wir unsere Hunde vor den Schlitten und jeder möchte sie am liebsten mit nach Hause nehmen. 45 Kilometer durch die traumhafte Landschaft Lapplands liegen noch einmal vor uns. Wir kommen sehr gut voran und so machen wir bereits, nach eineinhalb Stunden, bei der Hälfte der Strecke eine ausgedehnte Mittagspause in einer original samischen Kota. Erste Gedanken an die Zivilisation machen sich breit, als wir einige Schneescooter in der Ferne hören können. Um Halbvier ist es dann soweit, wir treffen wieder im Hundeschlittenzentrum in Harriniva ein. Esa führt uns noch durch den Kennel und zeigt uns die jungen Welpen. Das meiste über die Aufzucht und das Training, haben wir schon während der Woche von ihm erfahren und so ist es umso interessanter, seine im Kopf gemachten Vorstellungen mit der Realität zu vergleichen. Am Abend treffen wir uns nochmal alle in der großen Kota „Aurora Borealis“ auf dem Hotelgelände. Gemeinsam, mit allen anderen Gästen dieser Woche, sitzen wir nun ein letztes Mal miteinander zusammen. Finnische und Lappländische Spezialitäten stehen auf dem Menü und es schmeckt hervorragend. Es werden Post- und Email-Adressen ausgetauscht, um sich gegenseitig die Photos zuzuschicken. Am nächsten Morgen um elf Uhr erwartet uns unser Transfer zurück zum Flughafen Kittilä. Genug Zeit also, um nach dem Frühstück nochmal in den Kennel zu gehen und Abschied von unseren treuen Huskies zu nehmen. Als unser Flieger startet, schaue ich nochmal sehnsüchtig zurück und ich weiß von allen, dass sie nochmal wiederkommen möchten. Vielleicht heißt ja schon im nächsten Jahr wieder: „Terve, terve!“ wenn ich an der Hotelrezeption begrüßt werde.

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